„Der Mensch ist Mittelpunkt.“ oder doch „Der Mensch ist Mittel. Punkt.“

In meiner Jugend gab es noch den Kalten Krieg und die Wehrpflicht war in Deutschland gang und gäbe. Ich erinnere mich noch sehr genau an den ersten Tag meines Dienstes. Bei der Begrüßung sprach ein Offizier zu uns und er wollte lustig sein. Er erklärte uns, dass es ja nun überall heißt, dass der Mensch im Mittelpunkt stehe – hier bei ihm in der Einheit sei aber alles in Ordnung und beim Alten geblieben „Der Mensch ist Mittel. Punkt.“ Keiner der 150 „Neueinstellungen“ fand es lustig. Nun ist die Bundeswehr keine eigentliche Community, aber das Gefühl, das er mit dieser Aussage in uns erzeugte, war Ablehnung. Sie kennen dieses Gefühl vielleicht, wenn Sie mit einem Unternehmen zu tun haben, das gerne Ihr Geld nimmt, aber keinerlei Interesse an Ihnen oder Ihren Themen hat. Der Kunde als Mittel zum Geldverdienen. 

Der Mensch als Maßstab

Wir erleben es gelegentlich, dass Menschen mit der Idee einer Community zu uns kommen. Sie haben eine klare Vision, scheinbar. Leider ist es oft nur die Idee, wie sich andere Menschen zu verhalten haben. Die Vision basiert darauf, dass sie einen fiktiven Nutzen für Anwender unterstellt, bei einigen nicht einmal das, ohne dass wirklich klar ist, ob die Zielgruppe diesen Nutzen möchte oder überhaupt sieht. Ein Netzwerk, bei dem Sie die Mitglieder nur als Mittel zum Erreichen Ihrer Ziele ansehen, wird scheitern. Wenn Ihre Idee ausschließlich Verkaufen ist, gibt es einfachere Wege dies zu erreichen. Überdenken Sie Ihre Pläne und passen diese an. Eine gute Community unter Ihrer Führung kann für Sie und Ihre Firma ein Image- und Umsatz-Booster werden. Aber vergessen Sie niemals: die Menschen, also Ihre Mitglieder, stehen im Mittelpunkt oder anders formuliert: der Mensch im Netzwerk ist der Maßstab Ihres Handelns!


Sie möchten eine Community starten und haben eine Idee? Dann empfehlen wir Ihnen einen kurzen Selbsttest anhand folgender Fragen:

Schreiben Sie sich die sieben wichtigsten Punkte der Community, die Ihnen spontan einfallen – ohne groß nachzudenken – auf ein Blatt Papier. Lesen Sie erst weiter, nachdem Sie die sieben Punkte aufgeschrieben haben!

  • Was ist der Zweck der Community?
    • Für wen genau ist die Community bestimmt?
    • Was möchte die Community erreichen?
  • Warum soll es die Community geben?
    • Warum möchten Sie eine Community gründen?
    • Welchen Nutzen haben die Mitglieder?
    • Passt das zusammen?
  • Welche Themen sind den Nutzern wichtig?
    • Was habe ich diesbezüglich zu bieten?
  • Wer soll in der Community zusammengebracht werden und wie soll das geschehen?
    • Ist das den Mitgliedern bewusst?
  • Passen Ihre sieben Punkte zum Rest?

Schauen wir uns mal den Klassiker an, die Wikipedia-Definition: „Eine Online-Community (englisch für Internet-Gemeinschaft) ist eine organisierte Gruppe von Menschen, die im Internet miteinander kommunizieren und teilweise im virtuellen Raum interagieren. Auf der technischen Grundlage eines sozialen Mediums (Social Media), das als Plattform zum wechselseitigen Austausch von Meinungen, Erfahrungen und Informationen eingesetzt wird, ergibt sich ein abgrenzbares soziales Netzwerk von Nutzern mit von ihnen erzeugten Inhalten.“ (Quelle: Wikipedia)

Viele, auch diese Wikipedia Definition, beschreiben die Motivation mit „zum wechselseitigen Austausch von Meinungen, Erfahrungen und Informationen“. Das ist fachlich und sachlich richtig, vor allem, wenn man „Informationen“ als Basis allen Tuns ansieht. Immerhin kann ich ein Buch nicht kaufen, wenn ich die Information nicht besitze, dass es existiert und wie ich es bekomme. Allerdings erscheint uns diese Definition von Information zu weitläufig. Amazon oder ebay zum Beispiel sind nicht nur Onlineshops, sie sind auch Communites. Und die Funktion des „Marktplatzes“ ist hierbei ein wesentlicher Bestandteil. Die verkauften Artikel und die Kundenrezensionen kann man als Content bezeichnen. Die Produkte selbst werden durch ihre Aufbereitung und Querverweise zum wertvollen Content. Die Rezensionen der Käufer beschreiben Erfahrungen mit Produkten und Händlern. Letzteres macht die Plattformen erst zu Communities, denn sie stellen wesentliche Interaktionen dar. Der Nutzen liegt klar auf der Hand – Mitglieder der Gemeinschaft (der Kunden) bekommen halbwegs ungeschminkte Bewertungen von anderen Kunden.

Content, Content, Content?

Content ist King? Und ich dachte immer, der Kunde ist König! 

Das berühmte „Content ist King“ liest man im Zusammenhang mit Communities immer wieder. Natürlich ist Content wichtig. Wenn Sie ein Informationsportal betreiben, dann ist es sogar das Wichtigste. Für eine Community ist Content ebenfalls spannend und wichtig. Allerdings bereits die Verwendung des deutschen Synonyms „Netzwerk“ deutet an, dass doch das Mitglied wichtiger als Content ist. Da ich weiter oben den Menschen nicht als Mittel bezeichnen wollte, möchte ich hier ebenfalls davon Abstand nehmen, die Mitglieder selbst als Content zu deklassieren, auch wenn das bei einer akademischen Betrachtungsweise möglich wäre. Nun wird eine gute Content Strategie Mitglieder anlocken und kann diese auch halten. Das ist gut und Sie sollten dies auch nutzen. Machen Sie sich aber klar, dass dies teuer und zeitaufwendig ist. Idealerweise sollte ein Netzwerk seinen Content zu großen Teilen selbst produzieren. Dazu muss aber eine kritische Masse erreicht werden und hierfür ist vor allem anfangs Content extrem wichtig. Content muss dem Mitglied, dem wahren König, nutzen! Gerade für die Aufbauphase ist daher ein spannender Redaktionsplan und auch das Lernen aus dem Feedback der Mitglieder sehr wichtig.

Matchmaking in der Community

Wir definieren also die Menschen, bzw. eingeschränkt auch Firmen, als zentralen Bestandteil des Netzwerks. Sie sind die Anbieter und Konsumenten von Erfahrungen, Meinungen, Ideen, Produkten oder Informationen. In einem idealisierten Netzwerk bespielen sich die Community-Mitglieder selbst. Der Betreiber kann regulierend und lenkend eingreifen, aber was geschieht, geschieht vor allem durch die Mitglieder. Nach einer Anlaufphase ist die oberste Aufgabe des Betreibers das „Matchmaking“ – den Rahmen zur Verfügung zu stellen, damit sich die Teilnehmer des Netzwerks einfach und effizient finden können. Dies kann auch in einer abstrakteren Form, z.B. der vorher angesprochenen Produktrezension bei amazon, geschehen. David Evans und Richard Schmalensee berichten in ihrem (englischsprachigen) Buch „Matchmaker: The New Economics of Multisided Plattforms“ über genau diesen Sachverhalt. Sie beschreiben, dass es für Plattformen überlebenswichtig ist, das Matchmaking, also das Finden des passenden Konterparts (oder der von ihm bereitgestellten Information), nicht nur einfach und bequem zu gestalten, sondern eine Möglichkeit des Findens zu erschaffen, die anders nur sehr schwer möglich wäre. Für sie ist das Wichtigste in diesem Zusammenhang die Reduktion von Friktion und Transaktionskosten. Wenn Sie es schaffen das Matchmaking für die Teilnehmer bequemer, günstiger oder überhaupt erst möglich zu machen, dann wird eine Community sicherlich erfolgreich.

Cui bono?

„Wem nützt es?“ ist die zentrale Frage aller Verbrechensaufklärer. Wem nützt das begangene Verbrechen – diese Person ist meist der Täter. Nun wollen wir Online Communities nicht mit strafbaren Verbrechen gleichsetzen, aber das „Wem soll es nützen“ ist schon eine hervorragende Frage. Und um ein Netzwerk nicht schon von vorneherein zum Scheitern zu verurteilen, kann die Antwort nur lauten: den Mitgliedern, den Mitgliedern, dann den Mitgliedern und erst viel später anderen Gruppen, wie z.B. den Berteibern. Die zentrale Grundregel des Netzwerkens „Geben ist besser als Nehmen“ findet auch hier Anwendung. Wenn Sie eine Plattform anbieten, bei der der Nutzen der Teilnehmer, bzw. Kunden, so hoch ist, dass diese gerne und aktiv mitmachen, dann wird diese Plattform ein Erfolg. 

Der Mensch als Maßstab oder doch nur Mittel zum Zweck? Eine Community, die nicht den Teilnehmern nutzt, wird keine große Zukunft haben. Achten Sie darauf, dass bei Ihren Überlegungen immer die Mitglieder Ihrer zukünftigen Community im Zentrum aller Gedanken stehen. Guter Content ist wichtig, das Schaffen neuer und spannender Verbindungen noch wertvoller für die Teilnehmer.

Das Matchmaking ist übrigens der zentrale Gedanke der congreet Plattform. Schauen Sie sich das mal an: www.congreet.com

Bevor Sie sich auf das Abenteuer „Eigene Community“ einlassen, gibt es einiges zu bedenken und an Vorarbeit zu leisten. Hierzu gibt es diverse hervorragende Beraterinnen und Berater in Deutschland. Wenn Sie fachliche Unterstützung benötigen, können wir gerne einen Kontakt herstellen.